Bewirtschaftungsarten

Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, Regenwasser von der Kanalisation abzukoppeln. Für welche Lösung Sie sich entscheiden, ist zum Teil eine Geschmacksfrage. Ein wichtiger Faktor sind aber auch die Eigenschaften des Untergrundes. So sind der Abstand des Grundwassers von der Geländeoberfläche, die Wasserdurchlässigkeit des Untergrundes, die Struktur des Bodens und die Geländeneigung wichtige Randbedingungen, die es bei der Wahl des Verfahrens zu beachten gilt. Einige Bodentypen erlauben ein breites Spektrum an Maßnahmen, während an ungünstigeren Standorten möglicherweise ein großer Speicherraum zur Zwischenspeicherung der Regenabflüsse vor der Versickerung notwendig ist oder aufgrund des hohen Grundwasserstandes keine tiefgründigen Anlagen realisiert werden können.

Im Folgenden können Sie sich über die unterschiedlichen Bewirtschaftungsarten informieren und die passende Lösung für Ihr Grundstück ermitteln. Bei Bewirtschaftungsarten, die Sie selbst umsetzen können, finden Sie zusätzlich Bauanleitungen und ein Bemessungsprogramm.


Durchlässige Befestigung

Durchlässige Befestigungen von Flächen kombinieren die Nutzbarkeit von befestigten Flächen mit der Versickerungsfähigkeit natürlicher Flächen. Sie dienen dazu, von einer Fläche möglichst keinen Niederschlagsabfluss entstehen zu lassen. Der Anschluss weiterer befestigter Flächen an durchlässige Befestigungen – also zum Beispiel des Garagendaches an die durchlässig befestigte Garagenauffahrt – ist nicht sinnvoll, da eine dauerhaft ausreichende Versickerungsleistung für eine so hohe Wassermenge kaum sicherzustellen ist.

 

Die Wasserdurchlässigkeit dieser Beläge wird je nach Bauart auf verschiedene Art ermöglicht: Haufwerksporige Pflaster sind Steine, die in sich aufgrund ihres lockeren Aufbaus das Durchsickern von Wasser ermöglichen. Man kann sie sich am besten als eine Art „betongewordenen Schwamm“ vorstellen. Im Unterschied dazu lassen Rasengittersteine, Rasenfugenpflaster und verwandte Systeme das Wasser nicht durch den Stein, sondern durch Aussparungen, die sich je nach Hersteller und Modell in der Mitte der Steine, an Ecken oder Kanten befinden können. Die Aussparungen sollten etwa 20 % bis 30 % der Fläche einnehmen, um genug Fläche für die Versickerung vorzuhalten.

Durch die Aussparungen in den Rasenziegeln kann das Regenwasser versickern.

Entsiegelung

Sie haben auf Ihrem Grundstück Flächen gefunden, deren Versiegelung Sie entfernen möchten – dann helfen wir Ihnen hier Schritt für Schritt, daraus ansprechende Grünflächen zu machen. Die Gestaltung unterliegt dabei Ihren Vorlieben und Nutzungsansprüchen.

 

Handelt es sich bei den zu entsiegelnden Flächen um größere Asphaltbereiche oder dickere Betondecken, sollten Sie die Arbeiten einer Fachfirma mit der entsprechenden Geräteausstattung überlassen. Hier fallen für die Entsiegelung von 10 m² schnell 4 m³ Abbruchmaterial an, das Sie in der Regel mit dem privaten Fahrzeug nicht entsorgen können. Die Entsiegelung kleinerer Flächen können Sie aber selbst durchführen. Sie benötigen hierfür lediglich gartenübliche Geräte. Auch Sicherheitsschuhe sind eine sinnvolle Sache. Welches Material Sie für die Neugestaltung der Fläche benötigen, hängt von Ihren Gestaltungswünschen ab.

Grün statt grau ist auch für das Regenwasser sinnvoll.

Flächenversickerung

Die Flächenversickerung ist das einfachste Prinzip der naturnahen Regenwasserbewirtschaftung. Hierbei werden die Regenabflüsse auf eine gut durchlässige Fläche geleitet, auf der sie versickern. Eine Zwischenspeicherung wie bei der Mulde gibt es nicht.

 

Die Flächenversickerung ist ein geeignetes Verfahren, wenn Sie genügend ebene Freifläche zur Verfügung haben und der Boden eine gute bis sehr gute Wasserdurchlässigkeit aufweist. Außerdem muss der Grundwasserflurabstand mindestens 1 m betragen, um den benötigten Abstand zwischen der Sohle der Versickerungsanlage und dem Grundwasser zu gewährleisten.

Ganz schlicht: Bei der Flächenversickerung wird das Regenwasser einfach auf die Grünfläche geleitet.

Ihre Angaben:

Die im Bodentest ermittelten Werte sollten mindestens 30 cm/h betragen.

Muldenversickerung

In Mulden wird das Wasser vorübergehend gespeichert, bevor es während der Versickerung durch den Boden selbst gereinigt wird. Die Mulden sind leicht anzulegen, sie haben eine geringe Einstautiefe und sind somit vielfältig nutzbar. Auch lassen sie sich gut mit Teichen oder Feuchtbiotopen kombinieren.

Versickerungsmulden müssen das Gartenbild nicht verändern.

Die im Bodentest ermittelten Werte sollten mindestens 2 cm, besser noch größer als 10 cm sein. Bei geringeren Werten als 2 cm sollte die Muldentiefe nicht mehr als 10 cm betragen.

Mulden-Rigolen-Versickerung

Die Mulden-Rigolen-Versickerung kombiniert die Vorteile der Mulde mit denen einer Rigole. In die Mulde wird das Regenwasser oberirdisch zugeleitet, was einfach herzustellen und zu warten ist. Die unterirdische Rigole vergrößert das Zwischenspeichervermögen der Anlage und sorgt dafür, dass die Mulde nicht übermäßig lange eingestaut ist und dauerhaft funktionstüchtig bleibt. Das Erscheinungsbild dieser Anlage entspricht vollständig dem der Mulde.

 

Die Mulden-Rigolen-Versickerung ist ein geeignetes Verfahren, wenn Sie nur begrenzt Freifläche zur Verfügung haben oder der Boden nur eine mittlere Wasserdurchlässigkeit aufweist. Die im Bodentest ermittelten Werte sollten bei 5–20 cm/h liegen.

Mit Rollrasen kann die Mulde schnell in Betrieb genommen werden.

Für die Berechnung wird eine Muldentiefe von 15 cm vorausgesetzt. Diesen Wert dürfen Sie über-, aber nicht unterschreiten!

 

Ihre Angaben: Die im Bodentest ermittelten Werte sollten mindestens 0,5 cm/h, besser noch größer als 1 cm/h sein.

Rigolenversickerung

Die Rigolenversickerung benötigt als unterirdische Anlage ohne belebte Bodenzone (vgl. Muldenversickerung) ebenso wie die Schachtversickerung eine wasserrechtliche Genehmigung. Die Pflege von Rigolenversickerungen umfasst ähnlich der Pflege von Schachtversickerungen die regelmäßige (etwa halbjährliche) Kontrolle der Zuleitung und die Reinigung des so genannten Schlammfangs, in dem die von den angeschlossenen Flächen abgespülten Blätter etc. gesammelt werden. Werden solche Feinstoffe nicht gefiltert, lässt die Versickerungsleistung rapide nach, und es sind aufwendige Reinigungsarbeiten erforderlich.

In die Rigolenkörper können auch Kontroll- oder Verteilschächte eingebaut werden

Die im Bodentest ermittelten Werte sollten mindestens 2 cm, besser noch größer als 10 cm sein. Bei geringeren Werten als 2 cm sollte die Rigolentiefe nicht mehr als 50 cm betragen.

Teichversickerung

Der Bau eines Versickerungsteichs besteht genau genommen aus zwei Teilen: Der erste Teil ist die Erstellung eines Gartenteichs nach Ihren Vorstellungen. Dieser Teil hat mit der Versickerung noch nicht direkt zu tun. Wichtig ist, dass Sie sich bereits zu Beginn der Arbeiten darüber klar sind, wie groß der Versickerungsbereich werden muss und insbesondere wie stark der Wasserstand im Randbereich schwanken soll – denn das ist die Tiefe der Versickerungsanlage, und um diesen Teil müssen Sie den gedichteten Teil des Teichs im Vergleich zum restlichen Garten „tieferlegen“.

 

Im zweiten Teil wird der ungedichtete Randbereich als Versickerungsbereich hergerichtet – auch hierbei unterliegt die Gestaltung Ihrem Geschmack. Alternativ können sie dem Teich auch einen Überlauf zu einer Versickerungsmulde geben – in diesem Fall benötigen Sie aber keine spezielle Teich-Bauanleitung, sondern gestalten den Teich nach Teil 1 und lesen für die Mulde im entsprechenden Kapitel nach.

 

Sie müssen also zunächst mit dem Bodentest die Wasserdurchlässigkeit des Bodens ermittelt haben und das für eine Versickerung notwendige Muldenvolumen – denn nichts anderes ist der Raum im Randbereich des Teichs ja.

Größere Wasserflächen stellen Freiräume mit hohen ökologischem Wert dar.

Ihre Angaben: Die im Bodentest ermittelten Werte sollten mindestens 2 cm/h, besser noch größer als 10 cm/h sein.

Schachtversickerung

Die Schachtversickerung benötigt als unterirdische Anlage ohne belebte Bodenzone (vgl. Muldenversickerung) ebenso wie die Rigolenversickerung eine wasserrechtliche Genehmigung. Da bei dieser Form der Versickerung eine sehr punktuelle Beaufschlagung der Versickerungsfläche mit Regenwasser stattfindet, ist auch die Zuführung von Inhaltsstoffen des Regenabflusses auf die Versickerungsfläche hierbei besonders hoch. Schachtversickerungen sollten deshalb aus Gründen des Grundwasserschutzes nur dann zum Einsatz kommen, wenn andere Verfahren ausscheiden.

 

Versickerungsschächte benötigen aufgrund ihrer Tiefe einen deutlich größeren Grundwasserflurabstand als alle anderen Versickerungsverfahren: Ein 3 m tiefer Versickerungsschacht kann erst ab einem Grundwasserflurabstand von 4,50 m genehmigt werden. Die Zuleitung kann unterirdisch erfolgen, so dass bezüglich der Oberflächenstruktur weniger zu beachten ist, als für die offene Zuleitung zu einer Flächen- oder Muldenversickerung.

 

Die Bemessung einer Schachtversickerung ist sehr aufwendig und erfordert spezielle Berechnungsprogramme. Sie sollte daher von einem Fachplaner durchgeführt werden. Der Bau erfordert Maschinen, um die nötige Baugrubentiefe – in der Regel 3 bis 4 Meter – zu schaffen; die Schachtteile sind größtenteils aus Beton und entsprechend schwer. Sie sollten – sofern Sie sich für dieses Verfahren entscheiden – deshalb Planung und Ausführung in die Hände von Fachfirmen geben. Für eine Schachtversickerung müssen Sie mit Baukosten von etwa 3.000 – 4.000 EUR rechnen. Hinzu kommen die Kosten für die Erstellung eines Bodengutachtens, das mit weiteren rd. 500 – 1.000 EUR veranschlagt werden muss.

 

Die Pflege eines Versickerungsschachtes umfasst ähnlich der Pflege von Rigolenversickerungen die regelmäßige (etwa halbjährliche) Kontrolle der Zuleitung und die Reinigung des so genannten Schlammfangs, in dem die von den angeschlossenen Flächen abgespülten Blätter etc. gesammelt werden. Gelangen solche Feinstoffe in den Versickerungsschacht, lässt die Versickerungsleistung rapide nach, und es sind aufwendige Reinigungsarbeiten erforderlich!

Schachtversickerung an einem Wohngebäude - die Oberfläche bleibt unberührt

Einleitung in ein Gewässer

Das Grundanliegen der naturnahen Regenwasserbewirtschaftung ist es, den natürlichen Wasserkreislauf zu stärken. Hierzu gehört insbesondere Regenwasser dort den Gewässern zur Verfügung zu stehen, wo es anfällt. Hierzu ist vor allem die Versickerung geeignet, weil sie das Wasser langsam und gleichmäßig dem Grundwasser zur Verfügung stellt. Aber auch die Einleitung von sauberem Regenwasser in ein benachbartes Gewässer ist eine gute Alternative zur Ableitung über die Mischkanalisation. Sie bietet sich insbesondere an, wenn eine Versickerung auf dem Grundstück – aus Platzmangel, wegen hoher Grundwasserstände oder dem Vorliegen von Bodenbelastungen – nicht möglich ist.

 

Wie die Zuleitung erfolgt – oberirdisch oder mittels Rohrleitungen – hängt von den örtlichen Randbedingungen ab: Müssen fremde Grundstücke, Wege oder Straßen gekreuzt werden, wie ist das Gefälle auf dem Weg zum Gewässer, wie weit ist die Zuleitungsstrecke, von wo wird das Wasser aufgenommen?

 

Grundsätzlich hat der Gewässerschutz auch bei der Einleitung oberste Priorität. Deshalb dürfen Abflüsse von Flächen, von denen eine Belastung zu erwarten ist, wie PKW-Stellplätze oder Straßen, nur nach einer Vorreinigung in ein Gewässer geleitet werden. Dachflächen- oder Terrassenabflüsse dagegen gelten als unbedenklich und benötigen keine Reinigung.

 

Die Einleitung der Abflüsse großer Flächen – meist von Flächen über 1.000 Quadratmeter – „auf einen Schlag“ ist aus Gewässerschutzgründen zu vermeiden. Sie muss über eine Rückhaltung erfolgen, mit der Spitzenabflüsse, wie sie nach einem heftigen Sturzregen entstehen, abgepuffert werden.

 

Für die Einleitung von Regenabflüssen von Dachflächen von Ein- oder Zweifamilienhäusern ist in der Regel weder eine Vorreinigung noch eine Rückhaltung erforderlich. Die notwendige Genehmigung erteilt die zuständige Untere Wasserbehörde (Meine Stadt).

Fließendes Wasser schafft Atmosphäre und ist ein Blickfang.

Dachbegrünung

Begrünte Dächer sind lebendige Dächer! Grundsätzlich lassen sich Dächer bis etwa 25 Grad Neigung begrünen, allerdings steigt der bauliche Aufwand mit zunehmender Neigung.

 

Dachbegrünungen sollten Sie vom Fachbetrieb ausführen lassen, damit die Dichtigkeit der Dachhaut sichergestellt ist und keine Nässeschäden am Gebäude entstehen. Fachwissen ist außerdem erforderlich, um die statische Eignung des Dachs für die Begrünung zu beurteilen. Meist lassen sich heute bekieste Dächer einfach begrünen – das müssen Sie vor der Bauausführung prüfen lassen!

 

Wegen der nötigen Fachkenntnis finden Sie in diesem Abschnitt keine Bauanleitung, sondern nur einige Gestaltungsbeispiele und eine Schemazeichnung zum Aufbau eines begrünten Dachs.

 

Unproblematisch gestaltet sich hingegen die Begrünung von Garagen, für die einige Firmen Eigenbausätze mit fertig geschnittenen Komponenten anbieten. Halten Sie sich sorgfältig an die Verlegehinweise!

 

Dachbegrünungen gibt es in unterschiedlichster Ausführung, aber ihr Aufbau ist immer der Gleiche: die zuunterst liegende Wurzelschutzschicht sorgt dafür, dass die Pflanzenwurzeln die Dachhaut nicht beschädigen können. Die Drainschicht speichert Wasser, das von den Pflanzen verbraucht oder verdunstet wird. Mit einer Filterschicht ist sie von der Substratschicht getrennt, in der sich das eigentliche Leben des Gründachs abspielt. Deren Dicke ist von der gewählten Bepflanzungsart abhängig: je größer die verwendeten Pflanzen, desto dicker und schwerer ist der Aufbau. Die am häufigsten anzutreffenden und einfachsten Dachbegrünungen bestehen aus einer Sedum-Sprossen-Ansaat. Hierbei werden kurze Sprösslinge mit dem Substrat zusammen aufgebracht, die sich innerhalb einiger Monate zu einer geschlossenen Pflanzendecke ausbreiten.

 

Je nach Art der Dachbegrünung unterscheiden sich auch die Herstellungskosten. Für die oben beschriebene einfache Extensivbegrünung sind Kosten von etwa 30–50 EUR /m² Dachfläche zu kalkulieren. Falls vor der Dachbegrünung Ausbesserungsarbeiten an der Dachhaut notwendig sind, schlagen diese zwar extra zu Buche, aber die gesamte Dachhaut wird dann gleich anders aufgebaut – in der Summe ist das günstiger als Sanierung und Begrünung nacheinander auszuführen.

 

Im Jahresmittel halten Dachbegrünungen etwa die Hälfte der Niederschläge zurück. Entsprechend reduzieren viele Städte die Niederschlagsgebühr für begrünte Dächer – ein Anruf beim Steueramt (Meine Stadt) schafft hierzu Klarheit. Mit dem Wasserrückhalt ist auch eine Wirkung auf die Temperatur in den darunter liegenden Räumen verbunden. Im Winter bleibt es unter dem Gründach wärmer, im Sommer kühler – diese biologische Klimaanlage im Kleinen schützt auch die Dachhaut, die nicht mehr so starken Temperaturschwankungen ausgesetzt ist. Die Pflege einer Dachbegrünung ist sehr einfach, aber wichtig. Etwa zweimal jährlich müssen Sie selbstgesäte Unkräuter, aber auch kleine Birken oder Pappeln, aus der Dachbegrünung entfernen, die nicht nur den erwünschten Pflanzen Licht und Nahrung abgraben, sondern auch die Dachhaut beschädigen können! Bei diesen Pflegegängen sollte auch eine optische Kontrolle auf Dichtigkeit erfolgen.

Grüne Dächer sind ökologisch wertvoll und ein Blickfang für jeden, der auf sie "herabsieht".